Grenzen setzen: Schluss mit Marionette spielen

Wenn du keine Grenzen setzt, ziehen andere die Strippen – und du nennst es dann „nett sein“, während du innerlich leer läufst. Lies den Beitrag, wenn du keinen Bock mehr hast, dich selbst zu verraten, nur damit es für alle anderen bequem bleibt.

Vielleicht kam das Thema nicht von ungefähr. Ich habe auf Instagram eine Umfrage gemacht, welches Thema dich als nächstes in meinem Podcast interessieren würde – und es wurde: Grenzen setzen.

 

Und ganz ehrlich: Ich war nicht mal überrascht. Grenzen setzen begleitet mich seit Jahren. Aber 2025 war nochmal ein ganz eigenes Level.

 

In diesem Beitrag bekommst du das Thema so, wie ich es auch im Podcast fühle: direkt, ehrlich, ohne Schönreden.

Grenzen setzen: 3 Beispiele, wann sie ignoriert werden

Vielleicht erkennst du dich in einer Situation wieder:

 

  1. Zeitgrenzen werden übergangen
    Feierabend, Wochenende, Urlaub. Jemand schreibt: „Kannst du mal kurz…?“ Und du weißt schon: Das wird keine „kurze Sache“, das wird wieder 30–60 Minuten. Aber du machst es – weil du keinen Stress willst.
  2. Respektgrenzen werden übergangen
    Jemand spricht abwertend, laut, ironisch, macht Druck. Und du schluckst es runter. Nicht weil es okay ist – sondern weil du keinen Konflikt willst.
  3. Entscheidungsgrenzen werden übergangen
    Du sagst: „Ich brauche Bedenkzeit. Ich melde mich morgen.“ Und dein Gegenüber pusht weiter, weiter, weiter – bis du nachgibst, nur damit endlich Ruhe ist.

 

Und genau so fängt die ganze Sache an: nicht mit dem großen Übergriff. Sondern mit vielen kleinen Momenten, die sich aufhäufen. Wie so ein kleiner Haufen Mist, der irgendwann ein riesiger Misthaufen wird.

Meine Story: „Wir ermöglichen dir das ja…“

Ich greife total oft auf Beispiele aus meiner Zeit in der Steuerkanzlei zurück – weil mir diese Zeit mental fast das Genick gebrochen hat.

Ich hatte einen Chef, der nach außen hin super positiv wirkte. So toxisch-positiv. Alles „nett“, alles „freundlich“ – aber darunter: Druck, Kontrolle, Grenzverschiebung.

Ein Beispiel hat sich bei mir eingebrannt.

 

Es ging um Urlaubstage. Ich war auf einem Event meiner Partnerfirma (Kosmetik). Dienstag bis Donnerstag. Montag und Freitag war ich ganz normal in der Arbeit, habe alles erledigt, war brav, habe geschaut, dass alles läuft.

Irgendwann kam das Gespräch auf diese Tage – und er sagte:

 

„Wir ermöglichen dir ja, dass du da hinfährst.“

Ich war innerlich wie erschlagen.

 

Weil: Nein. Ich habe Urlaub genommen. Was ich in meinem Urlaub mache, geht niemanden etwas an. Und „ermöglichen“ tut mir da schon mal gar keiner was. Das sind meine Urlaubstage. Auf die habe ich einen Anspruch.

 

Das war auch kein „Spaß“. Das war ein Test. Ob ich verfügbar bin. Ob ich mich rechtfertige. Ob ich mich klein mache.

Meine Reaktion damals? Ich habe gar nichts gesagt. Nicht, weil ich es okay fand – sondern weil ich so perplex war.

 

Heute wäre das bei mir nicht mehr drin. Das ist eine Grenze. Und diese Grenze überschreitet niemand mehr.

Was passiert, wenn Grenzen nicht gewahrt werden? 3 Auswirkungen

Wenn du dauerhaft zulässt, dass deine Grenzen übergangen werden, zahlst du. Und zwar nicht „ein bisschen“, sondern richtig.

 

  1. Du verlierst Selbstrespekt
    Nicht von heute auf morgen. Sondern schleichend. Du merkst irgendwann: „Ich nehme mich selbst nicht mehr ernst.“ Und wenn du dich nicht ernst nimmst – wer soll’s dann tun?
  2. Du wirst innerlich wütend – oder leer
    Ich war damals nicht mal wütend. Ich war leer. Und diese Leere ist brutal: Rückzug, keine Energie, keine Lust auf Menschen, alles nervt, du bist erschöpft.
  3. Andere lernen: Mit dir kann man’s ja machen
    Das muss nicht mal böse gemeint sein. Menschen passen ihr Verhalten an das an, was funktioniert. Wenn du immer verfügbar bist, wird das zur Erwartung.

 

Und hier kommt der Satz, den du dir merken darfst: Grenzen nicht zu setzen ist nicht nett. Es ist teuer.

Warum ist es so schwierig, Grenzen zu setzen?

Weil da ein paar richtig alte Programme laufen.

 

  1. Angst vor Ablehnung
    „Dann mögen sie mich nicht.“ „Dann bin ich raus.“ „Dann bekomme ich die Beförderung nicht.“ Diese Angst ist uralt. Steinzeit-Programm. Aber sie steuert heute noch viele Entscheidungen.
  2. Angst vor Konflikt
    Niemand hat Bock auf Stress, Diskussionen, schlechte Stimmung. Klar. Aber noch schlimmer ist es, wenn du dich selbst dabei kaputt machst.
  3. Altes Muster: Funktionieren
    Viele von uns haben gelernt: Harmonie + Leistung = Sicherheit. Ich kenne das aus meiner Prägung auch sehr gut. Und nein: Das ist keine Schuldfrage. Aber es ist deine Verantwortung, was du daraus machst.

 

Und ganz wichtig: Du bist ein wertvoller Mensch – auch wenn du mal nichts tust. Eine Pause musst du dir nicht verdienen.

Wie kann es gehen? Schritt für Schritt

Das hier ist eine Anleitung. Kein Dogma. Du darfst deinen Weg finden. Und nein: Grenzen setzen heißt nicht, dass du alle Menschen aus deinem Leben löschen musst. Es heißt: Du stehst für dich ein.

 

  1. Erkennen
    Wenn du Druck spürst, Enge, einen flauen Magen – und du merkst, du willst dich sofort rechtfertigen: Dann ist da eine Grenze.
  2. Innerlich benennen
    Sag dir (innerlich): „Nein.“ „Das will ich nicht.“ „Das ist mir zu viel.“ „Das passt nicht.“
  3. Kurz nach außen kommunizieren
    Ohne Roman. Ohne Erklärung.
    „Nein, das mache ich nicht.“
    „Ich bin im Urlaub.“
    „Ich entscheide das morgen.“
  4. Bei Gegenwind: Wiederholen
    Bleib bei deinem Satz. Kein neues Argument. Keine neue Rechtfertigung.
    „Nein, ich entscheide das morgen.“
  5. Konsequent handeln
    Nicht diskutieren. Handeln. Gespräch beenden. Später antworten. Thema schließen.

 

Ich mache das zum Beispiel ganz bewusst: Handy umdrehen, Display weg, lautlos, keine Vibration. Das ist eine Entscheidung. Jetzt bin ich dran. Jetzt bin ich für niemanden erreichbar.

 

Und ganz ehrlich: Wenn es wirklich brennt, wird man dich erreichen. Das passiert vielleicht alle drei Jahre mal. Auf Abruf leben? Müssen wir nicht.

Abschließend bleibt nur noch zu sagen..

Queen, Grenzen zu setzen ist wichtig, damit du:

 

  • deinen Selbstrespekt behältst oder wieder zurückholst
  • dich nicht in diese innere Leere reinfährst
  • und dein Umfeld lernt: „Mit ihr kann man das nicht machen.“

 

Das ist nicht unsympathisch. Nicht egoistisch. Nicht „zu hart“. Das ist Selbstschutz. Für deine mentale Gesundheit.

 

Wenn du Fragen hast oder merkst, dass du dabei immer wieder einknickst: Melde dich so gerne bei mir. Ich freue mich von dir zu hören.

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Eva Schäferling

Dieser Artikel wurde von Eva Schäferling verfasst, die Frauen dabei unterstützt, aus dem System auszubrechen und ihr selbstbestimmtes Leben in Teilzeit-Selbstständigkeit zu gestalten – ohne Burnout, aber mit der Freiheit, endlich den eigenen Weg zu gehen.